Nein, was Jörg Sadrozinski, Leiter der Reporterfabrik des Recherchenetzwerks Correctiv, da zu Beginn seiner Keynote beim MZF19 in Mannheim an die Leinwand wirft, ist eigentlich alles andere als zukunftsträchtig. „Publikumszeitschriften verloren 2019 bislang 5,2 Prozent ihres Werbeumsatzes“, „Funke muss bei den Tageszeitungen Kosten einsparen und Personal abbauen“ und „TV-Sender verloren 2019 bisher 3 Prozent Brutto-Werbegelder“, sind dort einige Schlagzeilen aus der Medienbranche zusammengefasst. Kombiniert mit weiteren Schlagworten wie dem Skandal um den Spiegel-Reporter Relotius, der „Kooperation“ der Zeitung Die WELT mit VW oder sensationsheischenden, mit der Wahrheit nur so jonglierenden Boulevard-Titelblättern ergibt sich so ein eher abschreckendes Bild der Situation der Branche.

„Aber ich will auch Mut machen“, sagt Sadrozinski in seiner Rede über „Journalismus zwischen Krise und Aufbruch“ an das zumeist junge Publikum gerichtet. Denn da gebe es ebenso die Erfolsgeschichten, nennt er als Beispiel die Elbe-Jeetzel-Zeitung. Sie ist die laut einer Auswertung „stärkste Heimatzeitung Deutschlands“, die von fast jedem vierten Bewohner im Kreis Lüchow-Dannenberg gelesen werde. Doch funktionieren könne das nur mit einem engagierten Journalismus – und einem Verleger, der die dafür nötigen Arbeitsbedingungen schaffe, denn dann werde auch gute Arbeit geleistet, so die erste seiner sechs Thesen zum guten Journalismus, die er beim MZF19 präsentierte.

Doch nur auf dem erreichten Ziel ausruhen, das sei kein dauerhaftes Erfolgrezept. Die altehrwürdige Tagesschau, deren Onlineauftritt er mitaufgebaut habe, sei mittlerweile sogar im sozialen Netzwerk TikTok vertreten, um sich auch die ganz jungen User zu erschließen und sie beim „Erwachsenwerden“ nicht zu verlieren. Das sei – ungeachtet aller Kritik gerade an dem chinesischen Betreiber der Plattform und möglicher Datenschutzprobleme – ein wichtiges Signal, dass man dort sein wolle, wo das Publikum zu Hause ist. Denn: „Es gibt keinen Status Quo mehr. Veränderung ist immer.“

Allerdings: Nur darauf verlassen, was durch die sozialen Netzwerke geistere, sei ebenfalls kein Allheilmittel auf der Suche nach Wegen, nicht weiter an Boden zu verlieren. Vertrauen sei in dem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort, seriös recherchierte, glaubhafte Nachrichten – die sich auch nicht vom Irrglauben leiten, nur weil im Internet eine Meinung viele Anhänger habe, sei das gleichermaßen die Mehrheitsmeinung der Gesellschaft, so Sadrozinski. Recherche sei deshalb unabdingbar, ebenso, Dinge kritisch zu hinterfragen, und nicht nur Pressemitteilungen 1:1 in das eigene Medium zu bringen. „Transparenz schafft Vertrauen“, hat er deshalb eine weitere These betitelt. Nur so könnten Journalisten in einer immer komplizierteren Welt Orientierung bieten, eine Rolle, die nach wie vor Bestand habe, so eine weitere von Sadrozinskis Thesen. Alles zusammengenommen hat er dann am Ende doch noch eine gute Nachricht, die letzte seiner sechs Thesen: „Guten Journalismus wird es weiter geben.“