Johannes Meyer ist Journalist, Moderator und Design-Sprint-Coach. Beim #MZF21 leitet er den virtuellen Design-Sprint und entwickelt mit zwölf Teilnehmenden neue Ideen und Formate zur Berichterstattung über die Klimakrise. **

Johannes, den Begriff „Design-Sprint“ haben viele schon gehört, aber so richtig klar, was bei diesem Format passiert, ist den meisten nicht. Kannst du uns diese Art der Ideen- und Formatentwicklung in einfachen Worten erklären?

Johannes Meyer: Wie du schon sagst, entwickeln die Teilnehmenden eines Design-Sprints Ideen zu einem bestimmten Thema, aus denen dann wiederum etwa bei Journalist:innen neue Formate entstehen. Viele kennen bestimmt das Prinzip des Design Thinkings, das ist ebenfalls eine agile Methode zum Kreativsein. Und das Konzept Design-Sprint leitet sich daraus ab. Dabei presst man also die Methoden des Design-Thinkings in eine zeitliche Form. Und zwar in eine schnelle Form – darum Sprint. Fünf Tage wäre dafür ideal, viele „sprinten“ aber eher zwei bis drei Tage. Bei einem Design-Sprint werden also agile Methoden für neue Ideen und Formate in einen zeitlich festgelegten Rahmen gegossen.

Wie genau läuft der Design-Sprint dann ab?
Johannes: Bei einem Sprint gibt es fünf Phasen. Im Idealfall also für jede Phase einen Tag, aber man kann das auch variieren und beschleunigen – so wie beim MZF am 15. und 16. Oktober auch. Die fünf Phasen heißen Empathy, Define, Ideating, Prototyping, Testing. Man muss sich das wie einen Zyklus vorstellen – die Abschnitte können sich immer wiederholen oder manchmal auch zeitlich variieren.

"Es entsteht viel kreatives Potenzial und es gibt durch die Schnelligkeit des Sprints kein unnötiges Blabla in Diskussionen. Jeder muss ins Handeln kommen."

Was passiert in diesen einzelnen Phasen?
Johannes: In den ersten Phasen befassen sich die Teilnehmenden intensiv mit dem Thema, in unserem Fall der Klimakrise, sie bekommen Input von Expert:innen, berichten aber auch über eigene Erfahrungen und befragen Nutzer:innen, denn um das richtige Format für eben die Leser:innen, Zuhörer:innen oder Zuschauer:innen geht es schlussendlich. Darum bindet man die Nutzer:innen von Anfang an mit ein. In den nächsten Phasen entwickelt man mit diesem Wissen Ideen, diskutiert verschiedene Ansätze, priorisiert auch Informationen – was ist uns bei der Idee besonders wichtig, welcher Aspekt ist nachrangig? Das ist wichtig, um auch zum Ziel zu kommen. Ist eine Idee für ein Format gefunden, wird im Idealfall schon ein Prototyp erstellt, der dann in der letzten Phase getestet wird.

Warum durchläuft man diese verschiedenen Phasen?
Johannes: Durch diese Phasen entwickeln die Teilnehmenden deutlich zügiger Ideen und kommen noch viel schneller zu entsprechenden Formaten. Die Gruppen diskutieren nicht lange, dafür ist gar keine Zeit, sondern müssen schnell zu Ergebnissen kommen, was meistens auch gelingt. Durch die Nutzer:innenbefragung und den Input der Expert:innen entsteht also erstens ganz viel kreatives Potenzial und zweitens gibt es durch die Schnelligkeit des Sprints kein unnötiges Blabla in Diskussionen, weil die Zeiten knapp bemessen sind. Jeder muss ins Handeln kommen.

Ist es ein Problem, wenn die Teams aus unterschiedlichen Bereichen kommen?
Johannes: Das Gegenteil. Es ist ein großer Vorteil, wenn bei der Ideen- und Formatentwicklung Menschen aus unterschiedlichen Sparten zusammenkommen. Es wäre super, wenn beim #MZF Journalist:innen aus dem Lokalen mit Politik- und Wirtschaftsredakteur:innen diskutieren und kreativ sind. Genauso spannend ist dann auch, dass es nicht nur unterschiedliche thematische Ressorts sind, sondern auch Medienschaffende von Zeitungen, von Radio oder aus dem Fernsehen mit dabei sind. Das schafft Dynamik.

"Durch die Kooperation mit den Expert:innen des Clean Energy Wire haben wir Fachleute an der Seite, die genau wissen, was die Menschen in der Berichterstattung zur Klimakrise interessiert."

Worauf können sich die #MZF-Teilnehmenden konkret freuen?
Johannes: Das Tolle am 15. und 16. Oktober ist neben dem Kennenlernen der Methode, die die Medienschaffenden dann ja auch in einem anderen Kontext anwenden können, die Kooperation mit den Expert:innen des Clean Energy Wire. Sie betreiben die Plattform klimafakten.de. Durch diese Zusammenarbeit haben wir während des Design-Sprints Fachleute an der Seite, die immer wieder Input zu Themen der Klimakrise und der Berichterstattung geben. Und die auch genau wissen, was die Menschen interessiert. Das gibt eine Sicherheit, sich bei diesem Thema nicht zu verrennen, sondern den richtigen Weg einzuschlagen. Dadurch werden wir viel konkreter und können nach dem Design-Sprint vielleicht sogar schon auf Format-Prototypen schauen, die die Journalist:innen dann in ihre Redaktion mitnehmen oder für ihre freiberuflichen Angebote nutzen können.

Warum geht es um das Thema Klimakrise?
Johannes: Die Klimakrise bekommt in den Medien eine immer größere Bedeutung. Die Berichterstattung über Klima- und Umweltpolitik und deren Hintergründe, über extreme Unwetterlagen oder auch über nachhaltiges Leben gehören für Journalist:innen mittlerweile zum Alltag. Doch der richtige Umgang mit den Themenfeldern ist nicht einfach. An vielen Stellen gibt es noch Wissenslücken und Verbesserungsbedarf in der Darstellung und Verbreitung dieser Inhalte. Es fehlen stellenweise journalistisches Handwerkszeug, Klima-Vokabular, Hintergrundwissen oder die richtigen Formate. Und genau das wollen wir mit dem Design-Sprint aufbrechen und einen Anstoß geben.

"Es wird direkt Ergebnisse geben. Wir können am Ende des Design-Sprints auf verschiedene Formate und Ideen schauen."

Und was haben die Teilnehmenden des MZF am Ende des Design-Sprints?
Johannes: Am Ende haben alle Teilnehmenden zwar intensiv und hart gearbeitet, aber mal wieder richtig kreativ über Themen nachgedacht – oft kommt das im Redaktionsalltag leider zu kurz. Außerdem gibt es direkt Ergebnisse: Wir können wahrscheinlich auf verschiedene Formate oder zumindest Ideen schauen. Und das Tolle: Alle Besucher:innen des MZF erfahren am 16. Oktober sozusagen als Abschluss des Festivals, was in dem Design-Sprint entstanden ist. Denn zu einem richtigen Design-Sprint gehört auch der Pitch. Ein spannender Part für alle.

Also am Ende haben wir viele Ideen, die dann alle für sich oder auch gemeinsam weiterentwickeln können. Denn der Netzwerkcharakter eines solchen Formats ist schließlich riesig. Eine Win-Win-Situation für alle! Danke für deine Zeit und das Gespräch!

Der Design-Sprint: Ablauf am 15. und 16. Oktober:

15. Oktober, Beginn: 16 Uhr

  • Vorstellung und Kennenlernen
  • Was wollen wir erreichen mit dem Design-Sprint?
  • Schwerpunktthema Klima – erster Input der Expert:innen von klimafakten.de
  • Erste Diskussionen und Teamfindung

16. Oktober, Beginn: 10.30 Uhr

  • Ideenfindung und Formatentwicklung
  • Vorstellung der Formate
  • Feedback

Meena Stavesand

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Meena Stavesand ist die Projektleiterin des Medien Zukunft Festival. Sie arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Journalistin. Nach Studium und Volontariat war Meena Stavesand Redakteurin beim „Mannheimer Morgen“ und verantwortete dort vor allem den Bereich Soziales.